Paprika

Your Brain on Anime

Eine Rezension von Verena

Geschrieben am 09.08.2007

Rating:

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BildDie Idee klingt verlockend: Psychotherapie mit Hilfe eines Geräts, das es ermöglicht die Träume eines Patienten mitzuerleben während er sie träumt. Teile deine Träume mit deinen Freunden, erlebt sie gemeinsam; das zumindest ist der Traum des Wissenschaftlers Tokita.
Paprika ist eine visuelle Reizüberflutung: schrill, bunt, laut und wirr! Ich muss gestehen, dass ich den Film nach diesem einen Mal sehen bei weitem nicht verstanden habe; ob ich ihn gut finde oder nicht, weiß ich auch noch nicht. Warum ich ihn dennoch in meine Rezensionen aufnehme? Ich denke, er hat das Potential ein toller Film zu sein, wenn man die Reizüberflutung erstmal verdaut hat!

Regisseur Satoshi Kon ist bekannt dafür Realität und Traum verschmelzen zu lassen bis man sie nicht mehr unterscheiden kann - das ist ihm in Paprika erstklassig gelungen! Aus genau diesem Grund jedoch ist es nicht leicht dem Film zu folgen. Einen Eindruck davon zu bekommen, wie fließend die Übergänge zwischen Traumwelt und Realität sind, reicht es schon sich die Opening Credits anzuschauen:



Paprika lässt dem Zuschauer keine Zeit langsam in die Handlung einzusteigen, man wird direktBild ins kalte Wasser geworfen: ein Konzern entwickelt so genannte DC Minis mit denen man in die Träume anderer Menschen eindringen kann. Grund für die Entwicklung ist die Möglichkeit, die sich für die Psychotherapie bietet. Gleich zu Beginn lernt man Paprika kennen aber erst im Verlauf des Films stellt sich heraus, dass sie eigentlich das Traum-Alter-Ego der Entwicklerin der DC Minis ist: Dr. Atsuko Chiba. Aber es gibt ein Problem: drei DC Mini Prototypen wurden gestohlen! Die Gefahr besteht darin, dass die DCs noch nicht fertig sind und man deswegen mit ihnen uneingeschränkt in Träume von Personen eindringen kann, die unter psychologischer Behandlung gestanden haben oder stehen. Klingt an sich nicht so schlimm, wenn der DC nicht auch die Manipulation des Träume und des Unterbewusstseins ermöglichen würde. Wie gefährlich die Lage wirklich ist, wird schnell klar, wenn Chibas Kollege Dr. Shima plötzlich anfängt wirres Zeug zu reden und aus dem Fenster springt! Mit dem DC ist es sogar Möglich das Bewusstsein von Personen komplett zu eliminieren. Als Resultat dieser Ereignisse untersagt der Vorstandsvorsitzende des Konzerns die weitere Entwicklung des DCs.
Bild Im weiteren Verlauf des Films wird aufzuklären, wer die DCs gestohlen hat, dabei wechseln sich Traumszenen mit Realität so schnell und häufig ab, dass man kaum noch weiß wo man gerade ist. Es mischen sich Träume mehrer Personen zusammen, was das ganz noch unübersichtlicher erscheinen lässt. Gerade freut man sich einen Haltepunkt gefunden zu haben, an dem man denkt -Ah, das ist aber jetzt real!“, da stürzt das gerade aufgebaute Kartenhaus wieder ein. Während man diesen Film anschaut kommt man kaum zum nachdenken über das Gesehene, da es sofort von den nächsten verrückten Ideen abgelöst wird! Die Bilder der Traumparaden sind kaum so schnell zu erfassen, wie sie über die Leinwand fliegen, dabei findet man in ihnen viele Anspielungen  (z.B. Schulmädchen in der Parade lüfte ihre Röckchen und die Salaryman mit Handyköpfen knipsen gleich darunter oder die Managerpyramide bei der niemand oben stehen bleibt).

Welche Botschaft Satoshi Kon vermitteln will oder ob es vielleicht gar keine gibt, konnte ich anBild diesem Abend nicht herausfinden; zu bunt, zu schnell, zu wirr ist der Film um ihn nach einem Mal ansehen komplett zu verstehen, jedoch wäre es wohl lohnenswert sich diesen Film noch einmal auf Deutsch anzusehen. Auf dem Filmfest wurde er leider auf Japanisch mit englischem Untertitel gezeigt - bei diesem Film ein Fehler, wie ich meine. Die Flut von visuellen Reizen erfordern auch ohne das Lesen von Untertiteln genug Aufmerksamkeit - schade, dass die Organisatoren das nicht bedacht haben.

Fazit: Wer unkonventionelle, verrückte Filme mag, der ist bei Paprika richtig. Der Film ist unterhaltsam, aber auch anstrengend und lädt zum anschließenden Gespräch ein. Trotz Verwirrung macht Paprika Spaß, denn man ist nicht gezwungen in die verworrenen Tiefen einzutauchen, man auch an der Oberfläche kratzen und das bunte Spektakel genießen - ganz nach eigenem Belieben.

4 Kommentare

Von Tobias am 09.08.2007, 12:09

Die Grundidee klingt toll! Ich glaube aber, daß der Film mit seinen scheinbar unklaren Grenzen im asiatischen Raum durchaus besser ankommt, als in Europa. Für Europäer muss es halt doch immer Sinn machen und alles ganz klar sein - bevor hier jmd. eine Traumsequenz zeigen darf, muss der Character erstmal nachts im Bett liegen und dann einschlafen... oder ohnmächtig geschlagen werden... jedenfalls ist ein solch flüssiger Übergang zwischen Filmrealität und Filmfantasie schwere Kost für OttoNormal-Zuschauer. Wer Anime liebt, scheint hier aber voll auf seine Kosten zu kommen!
Die Anspielungen klingen ebenfalls super! Selbst wenn sie nicht zur Story beitragen und nur kurz für sich alleine stehen, bevor die Story weiter rast, mag ich diese kurze Art von Seitenblicken. Ist ja fast Haiku-ähnlich!

Von Verena am 09.08.2007, 13:36

Man sollte wirklich Animes mögen - oder eben zumindest mit wirren Taum-/Realitätsszenen auf skurrilstem Level zurechtkommen können. Aber selbst Fans des Genres kann der Film erschlagen - habe Leute gehört, die sich gefragt haben ob der Film nun brilliant und genial ist oder einfach nur wirres Zeug, das gar keinen tieferen Sinn hat. Man weiß es eben nicht, was sich der Erfinder dabei gedacht hat :). Einige haben Metaphern für die Beziehungen zu den USA entdeckt... ich bin mir da nicht schlüssig - der Film war zu viel um sich über soetwas nach einem Mal ansehen Gedanken zu machen :).

Von Corinna am 10.08.2007, 22:41

Hm, also den Opener find ich jedenfalls hochoriginell und sehr vielversprechend. Der Zeichenstil gefaellt mir auch. Allerdings klingt die Story nach David Lynch hoch 3 und ich HASSE David-Lynch-Filme. Sollte ich ihn dann lieber nicht gucken?

Von Verena am 10.08.2007, 22:49

Also ein Bekannter fühlte sich an David Lynch erinnert bei dem Film... ich selbst kenne von Lynch nur Lost Highway (den ich nicht mochte), daher kann ich dir nicht sagen ob der Film wirklich Lynch-ig ist.

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