The Nines
Spielsucht
Eine Rezension von Tobias
Geschrieben am 11.03.2008
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Die meisten Filme unserer Zeit basieren auf dem gleichen Prinzip: Protagonist XY wird vorgestellt, der Zuschauer kann sich ihm/ihr verbinden, es folgt die Problemstellung und letztendlich deren Auflösung. Nur selten traut sich ein Film etwas wirklich Neues, Anderes, Spannendes. "The Nines" ist solch ein Film, in dem eben nicht alles vorhersehbar ist - Ein Film, der zuerst viele Fragezeichen und am Ende ein riesiges Ausrufezeichen hinterlässt.
!Achtung! Spoiler !Achtung!
Es ist nicht möglich, über einen Film wie "The Nines" zu schreiben, ohne Aspekte der Story zu verraten. Daher habe ich beschlossen, es erst gar nicht zu versuchen & rezensiere den Film ohne Rücksicht aus Verluste. Wer den Film noch genießen möchte, möge bitte
hier aufhören zu lesen und später wiederkommen - Dieses Review wird immer noch hier sein... oder nicht?

Wer "The Nines" sieht, wird sich diese Frage öfters stellen, da Realität in diesem Film stark verschwimmt. Das mag u.a. daran liegen, dass unser Hauptcharacter im wahrsten Sinne des Wortes ein Gott ist. Es handelt sich dabei nicht um
den Einen Gott, sondern eher um einen Gott in der Tradition altägyptischer Schöpfungsgeschichte in Form des Göttervaters
Ptha, adaptiert in bekannterer Form duch
J.R.R Tolkien im "
Silmarillion". Hier werden die
Valar (Götterwesen) durch den allmächtigen Schöpfer
Eru Ilúvatar erschaffen und kreieren ihrerseits
Arda, die Erde.

Gary/Gavin/Gabriel (Hauptcharacter-Gott) ist also ein Wesen, über dem nur noch Der Eine Gott steht. Diese Hierarchie wird im Film durch Nummern ausgedrückt. Der Eine Gott ist eine "10", Gary/Gavin/Gabriel und Sarah/Susan/Sierra sind "9", Koalas sind "8" da sie telepathisch sind und das Wetter kontrollieren (Wen erinnert das bitte nicht an
"Hitchhiker's Guide to the Galaxy"?!), Menschen sind "7" und Affen sind "6".

Gary/Gavin/Gabriel ist sich leider Allmacht in unserer Welt nicht bewusst. Dafür wird aber weder die in Filmen sonst alles entschuldigende Multiple Persönlichkeit noch eine unglaubwürdige Amnesie als Erklärungsversuch herangezogen. "The Nines" ist anders: Gary/Gavin/Gabriel ist spielsüchtig. Er erdachte sich unsere Welt und daher manifestierte sie sich. Neugierig wie ein Kind am Ameisenhaufen begann er, einzelne Charaktere in unserer Welt zu spielen: Bettler, Propheten, Politiker etc.

Im Verlauf seines Live-Rollenspiels muss Gary/Gavin/Gabriel eines Tages auf Margaret/Melissa/Mary (gespielt durch
Melissa McCarthy) getroffen sein und sich in sie verliebt haben. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war er abhängig von seinem Spiel und war sich seines Ursprungs nicht mehr bewusst. Für ihn zählt zu Beginn des Films nur noch die Spielwelt, welche für uns 7er-Menschen die Realität ist.

Gary/Gavin/Gabriel ist natürlich nicht die einzige "9". Eine andere "9", Sarah/Susan/Sierra macht sich auf die Suche nach ihm und versucht ihn aus seiner Spielwelt heraus zu holen und ihn "nach Hause" zu bringen.

Seit sie ihm in seiner Welt auflauert, und ihm klarmacht, was er ist, bricht Garys/Gavins/Gabriels Realität zusammen. Er resettet die Welt und spielt jemand anderen - Bis Sarah/Susan/Sierra ihn wieder findet und ihm seine Spielwelt wieder zerstört. Jedes Mal manifestiert Gary/Gavin/Gabriel sich seine geliebte Margaret/Melissa/Mary in seine Nähe, die nach einigen Weltenenden auch weiß, was geschieht und ihn vor Sarah/Susan/Sierra warnt.

Gary/Gavin/Gabriel hangelt sich bei dieser Realitätsflucht in unserer Welt von Lebensgeschichte zu Lebensgeschichte. Zu Beginn des Films ist er ein erfolgreicher Schauspieler (Gary), dann ein Drehbuchautor (Gavin), der die Serie mit der Gary Erfolg hatte, geschrieben hat, und zur Entspannung ein
MMORPG am PC spielt, und als letztes ist er der erfolgreiche Spieledesigner Gabriel, der das MMORPG geschaffen hat, das Gavin zur Erholung spielte. Zeitlich überschneiden sich diese Charactere und Handlungsstränge, da Gary/Gavin/Gabriel mehrere Charaktere gleichzeitig spielen kann und Zeit & Raum für die "9"en keine Konstanten Größen sind.

Immer wenn sich Gary/Gavin/Gabriel durch Sarahs/Susans/Sierras Einfluss klar wird, dass seine Welt nicht echt ist ("
Something's wrong with the world..."), beendet er diese Spielwelt und spielt einen anderen Charakter weiter, bis er sich am Ende bewusst wird, dass er nicht in diese Welt gehört. Im finalen Dialog mit Margaret/Melissa/Mary sagt er "
I've destroyed billions of people with a thought. And you'd like to think that it's painless ...".

Er verlässt dann durch das Abreißen seines grünen Armbands - Sinnbild seiner Gebundenheit an unsere Realität - diese Welt und kehrt "nach Hause" zurück; einen Ort in der Nähe des Einen Gottes, zusammen mit den anderen Neunen. Unsere Welt existiert dann in der Form weiter, in der er sie verlassen hat. Mary bedankt sich bei ihm mit "
Everything there is is because of you [...]".

"The Nines" ist keine leichte Kost und ein ganz schön komplexer Film. Ich musste ihn 2x schauen, um überhaupt alle Ereignisse des Films einzuordnen. Der Film macht dies mit überblendenden Realitäten, Realitätenspringenden Characteren und vielen Hintergrund-Informationen sowie kleinen Anspielungen nicht gerade leicht. Das zeichnet diesen Film aber auch aus: Ich könnte ihn vermutlich noch ein viertes Mal schauen (dreimal habe ich ihn nun gesehen) und würde immer noch Details entdecken!

"The Nines" ist definitiv ein Muss für alle, die einmal eine etwas andere Erzählweise einer Geschichte erleben wollen. Schauspielerisch ist "The Nines" ebenfalls eine absolut sehenswerte Empfehlung, da swohl
Ryan Reynolds (Gary/Gavin/Gabriel) als auch
Melissa McCarthy (Margaret/Melissa/Mary) in ihren multiplen Rollen brillieren. Zeit und Energie müsst ihr für dieses Filmerlebnis aber schon mitbringen, da "The Nines" euch als Zuschauer fordert.
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