"Made of Bricks" ist das Debut-Album der gerade mal zwanzig Jahre alten "Freundin aus dem CD-Player". Berühmt wurde sie schlicht durch einzelne Songs, die sie auf ihrer MySpace-Seite veröffentlichte. Seitdem hat sie es mit 2 Single-Auskopplungen und dem gesamten Album "Made of Bricks" in die obersten Regionen der UK-Charts geschafft - Hier in Deutschland lässt der Durchbruch der "Londoner Göre" aber noch auf sich warten.
Kompositorisch oder instrumental gesehen ist ihr erstes Album bestimmt kein großer Wurf. Das ist aber auch nicht ihr Ziel. Kate Nash kann zwar Klavier sowie ein wenig Gitarre und Bass spielen, aber Instrumental-Virtuosin wollte sie sicher nie werden. Was sie auszeichnet, ist Wortwitz, Charm, ein wenig Frechheit und vor allem ein Talent zum Geschichten erzählen. Ihre Musik bildet dafür lediglich das audio-emotionale Grundgerüst: Ein wenig Indy-Rock, ein wenig Swing, ein wenig E-Gitarre.. Kate Nash mixt mit Synthesizer und Gefühl zusammen, was nett klingt.
Ausgezeichnet sind allerdings ihre Texte. Nicht, dass sie hier reflektierte Politsatire liefert oder gar Chomsky argumentativ enkräftet - Sie singt vom Alltag als Adolescent: Glückliche und unglückliche Beziehungen, Verliebtheit, Identitätsprobleme und was sonst noch zum Spektrum der Pubertät zählt - Für ihre größte Zielgruppe spricht sie die Art von Problemchen und Geschichten an, die für sie von Bedeutung sind. Dies tut sie aber mit einem guten Quentchen der "Excellent Cockney Wit": Eine ruppige Bemerkung ihres Partners kontert sie mit "Yeah, intelligent input, darling. Why don't you have another beer then...". Außerdem erzählt sie von der Problematik, seit dem siebten Lebensjahr ein Skelett als besten Freund zu haben. (Hierzu muss man wissen, dass die sprichwörtlichen "Leichen im Keller" in England "Skeleton in the Closet" heißen.)
Kate Nash versprüht viel Charme, viel Lebensfreude und zeigt uns auf, dass das Leben auch viel simpler und schöner sein kann. Eine Problematisierung von Aspekten des Teenie-Life oder gar globaler Dinge bleibt dabei selbstverständlich auf der Strecke - Auch wenn viele Fans von Kate Nash ihr in allen möglichen Formen dazu raten, sich nicht wegen ihres Erfolgs 'kommerzialisieren' zu lassen und ihre 'Orginalität' zu verlieren. Dass Kate Nash bereits zielgruppenorientiert agiert, wird von ihrer Zielgruppe offensichtlich übersehen: Für die Boys ist sie sexy, für die Mädels die "Freundin aus dem CD-Player" und vor allem ist sie nicht streitbar - die artgerecht eingesetzten "Fuck"s und "Dickhead"s sind bestimmt nicht die Anflüge einer Jugendrevolution.
Kate Nash steht für ein modern-züchtiges Entertainment: Lebensziele sind das Familienglück, das Eigenheim, gesunde Kinder und Frieden. In ihrem Musikvideo zu ihrer Erfolgssingle "Foundations" kann dies schön beobachtet werden:
Beinahe fremdartig wirkt die junge Kate in den Situationen zuhause. Kühlschrank, Wäsche, Zahnbürstenpärchen - All diese Atribute sind eigentlich festeren Beziehungen zuzuordnen, die man mit 20 Jahren (geschweige denn im Durchschnittsalter ihrer Haupt-Zielgruppe) erst noch vor sich hat. Auch der Modestil des jungen Pop-Emporkömmlings deutet auf einen Hang zu "Good Old Days" hin - Diese Bewegung des Jugendkonservatismus bzw. der Neuen Bürgerlichkeit findet in Europa momentan immer mehr junge Anhänger.
Nichtsdestotrotz (oder gerade deswegen) ist die Musik von Kate Nash unbeschwert und macht gute Laune. Wer also einmal Robbie Williams Popmusik mit grandioser weiblicher Stimme, Wortwitz und Unterhaltungswert hören mag, ist hier genau richtig. Für alle Anglophilen ist dieses Album übrigens schlicht ein Muss!
@ Max: Danke! Gern geschehen. Mich hat im Nachhinein fasziniert, wieder einmal einen ganzen langen Artikel geschrieben zu haben, ohne eine konkrete Aussage zur eigentlichen Musik getroffen zu haben... Aber das ist wohl mein "Talent"! ;)
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