Sunshine
Ein Funke Hoffnung
Eine Rezension von Tobias
Geschrieben am 13.01.2009
Rating:

Science-Fiction Filme sind eigentlich gefüllt von in Dur jaulenden Geigen, makellosen, futuristischen Raumschiffen und dem Kontakt mit ausserirdischen Lebensformen. Filme, die im Weltraum spielen und sich nicht um solch Star-Trek-artige Themen drehen, sind meist außergewöhnlich gut: So auch "Sunshine", ein Film um Licht & Schatten auf der Erde und in der menschlichen Seele.
Die Rahmenbedingungen: In der nahen Zukunft ist die Sonne erloschen - die vermeintlich bis zur "Red Giant" fortlaufende Fusionsreaktion hat schlicht frühzeitig ihren Dienst eingestellt. Die Menschheit schickte daraufhin eine bemannte Mission zur Sonne, um auf der Oberfläche des erloschenen Sterns eine Fusionsbombe zu zünden.
Der Name dieses Raumschiffs lautete passenderweise "Icarus". Die Reise zur Sonne, ein Trip von 7 Jahren in eine Richtung verlief reibungslos - bis kurz vor dem Erreichen des Ziels der Kontakt zur Icarus abbrach und nichts mehr geschah. Die Menschen der Erde bauen daraufhin eine weitere Bombe, die einen Großteil der noch vorhandenen Resourcen des Planeten aufbraucht und schicken diese mit der "Icarus 2" wieder auf die 7 Jahre lange Reise zur erloschenen Sonne, um ein letztes Mal zu versuchen, den Stern wieder zu entzünden und damit das eigene Überleben zu sichern. Soweit die Rahmenbedingungen.

Der eigentliche Handlungsstrang beginnt im siebten Jahr der Icarus-2 Mission: Die Crew ist nach derart langer Reise auf engstem Raum mittlerweile ausreichend gereizt um Konflikte zu verursachen. Als sie sich in vorgesehenem Vektor auf ihr Ziel zubewegen, empfangen sie schwach ein Funksignal: Die Icarus 1, die bald eine Dekade zuvor auf die gleiche Mission geschickt wurde, existiert noch und befindet sich im Orbit um die Sonne.

Ab diesem Zeitpunkt beginnt eine dramatische Reise in die Tiefen der menschlichen Psyche und der Religiösität. Der zuständige Bord-Psychologe, der eigentlich für die Zurechnungsfähigkeit der Crew verantwortlich ist, verbringt einen Großteil seiner Zeit in der Sonnen-Observationskammer, in der er die Oberfläche der Sonne betrachtet und das verbleibende Sonnenlicht auf sich einstrahlen lässt.

"Sunshine" verfolgt konsequent das Konzept, dass im Licht zu sein, bei Gott zu sein bedeutet, während das Nichts des Weltraums die Dunkelheit und damit die Absenz Gottes darstellt. Das Licht, gleichzeitig Strahl und Partikel, füllt Räume aus und badet damit die Objekte in sich während die Dunkelheit das Nichts bildet. "Sunshine" knüpft damit eine Verbindung zwischen frühen Naturreligionen, welche die Sonne vergötterten und dem modernen HiTech-Zeitalter.

Wer wann warum in Licht oder Dunkelheit lebt und stirbt, bildet daher eine völlig neue Bedeutungsebene. In "Sunshine" geht es um viel mehr als die bloße Rahmenhandlung der Reinitialisierung der Sonne: Es ist gleichzeitig ein beeindruckendes Psychodrama und eine spirituelle Erfahrung voller Sinnbilder: Engelsflügel, Läuterung durch Feuer, blutgenährte Sprößlinge u.v.m werden bildgewaltig in Szene gesetzt.
"Sunshine" ist nicht wirklich Film für Sci-Fi Fans. Er erfordert religiöse Vorbildung, einige Kenntnis von Sinnbildern bzw. Alegorien und einen Hang zum Interpretieren & Philosophieren. Doch wer sich die Mühe macht, diesen Film eben nicht nur auf sich einrieseln zu lassen, wird dafür belohnt werden: "Sunshine" verlässt den geneigten Betrachter mit einem neuen Funken Hoffnung im Herzen!
0 Kommentare