the very best of THE POGUES
Irland im Wohnzimmer
Eine Rezension von Max
Geschrieben am 30.08.2007
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Es gibt sie noch, die Klischees von Irland. Freundliche Paddys, die von morgens bis abends Guinness saufen, tanzen, Kleeblätter schwenken und immer freundlich sind.Nun ja, da ich in meiner Vergangenheit eine zeit lang auf der Insel verbrachte kann ich Euch im Vertrauen sagen: das ist natürlich völliger Quatsch. Aber wie jedes Vorurteil hat auch dieses Klischee einen wahren Kern...
...und was hat das alles mit Musik zu tun?
Nun ja, die Idee habe ich von Fatih Akin dessen Film Crossing the Bridge - The Sound of Istanbul ich in (seltsam!) Belfast gesehen habe. Dort heißt es: Wenn man einen Ort verstehen will muss man sich die Musik anhören, die dort gemacht wird. Und hier kommen die Jungs von The Pogues ins Spiel.
Denn diese Kombo, die sich Mitte der 80er in London formierte (die Iren waren immer schon gut im Auswandern) beschäftigte sich intensiv mit den Wurzeln der irischen Musik, da Mastermind und Sänger Shane MacGowan seine Kindheit in Irland und England verbracht hatte. Nach mehreren Anläufen formierten sich die Pogues um ihn. Besetzt mit 8 Mann und instrumentiert mit Banjo, Mandoline, Tin Whistle und Akkordeon (neben den obligatorischen Gitarre, Schlagzeug und Bass) machten sie sich an die Produktion diverser Alben, deren beste Auskopplungen auf dem hier vorliegenden Best-of-Album zusammengestellt wurden.
Bevor ich zur Musik an sich komme:
Die irische Seele vereint tiefe Melancholie mit unbedingtem Lebenshunger und Freude. Und das hört man diesem Album an.
Der Opener Dirty Old Town repräsentiert die eher melancholische Seite. Ein langsamer zurückerinnernder Song. The Irish Rover wurde zusammen mit den Dubliners eingespielt und macht Tempo und Spaß. Hier und beim dritten Song Sally MacLennae wird auch durch die Instrumentierung der irische Touch unterstrichen. Augen zu, hinhören ein (oder auch zwei oder drölf) Guinness trinken und schon hat man Irland im Wohnzimmer. Fiesta bekommt durch die eingesetzten Bläser einen mexikanischen Touch behält aber das fröhliche Tempo bei. Aber nach jedem Höhenflug kommt auch wieder ein Kater: A Pair of Brown Eyes ruft ins Gedächtnis, dass man Freude um so stärker empfinden kann, je trauriger man zwischendurch sein muss...
In diesem Wechselbad der Gefühle geht es weiter durch das Album, manchmal sogar vereint im selben Song: The Body of an American beschreibt das Begräbnis von Jim Dwyer "who was often heard to say: >I'm a free born man of the U S A<": am Anfang getragen und traurig doch dann kommt der Leichenschmaus und die Stimmung des Liedes hellt sich auf um am Schluss wieder verkatert langsam ins Gedächtnis zu rufen, was die Gesellschaft zusammengerufen hatte...Auch in den Texten kommt es manchmal durch: die Zeile "just lend me ten pounds and I'll buy you a drink" aus dem Lied The Boys from the County Hell hat es mir besonders angetan.
Da dies ein Best-of Album ist, finden sich auch fast keine Schwachstellen. Da haben sich halt die Verantwortlichen in der Plattenfirma zusammengesetzt und sich überlegt wie man eine tote Kuh (The Pogues zerbrachen 1991) nochmal melken kann und haben deshalb tief in allen Kisten gewühlt um das Beste herauszukramen. Da dieses Album aber zu einem fairen Preis erhältlich ist: warum nicht. Besser als gleich zwei oder drei Alben kaufen zu müssen.
Wie gesagt: kaum Schwachstellen. Auf Summer in Siam und A Rainy Night in Soho hätte man verzichten können, das ist aber auch das einzige. Herausragend sind meines Erachtens The Body of an American, The Sick Bed of Cuchulainn und Boys from the County Hell. Schwungvoll, und mit unüberhörbaren traditionellen Einflüssen und Instrumenten wird hier zeitlose Musik gemacht, die sich auch in 100 Jahren noch so frisch anhören wird wie heute. Dabei harmoniert das Orchester (8 Mann sind schon fast zu viele um noch Band genannt zu werden) großartig und keines der Instrumente geht unter oder spielt sich in den Vordergrund. Sogar die eher nervig klingenden Instrumente Banjo und Tin Whistle fallen nie unangenehm auf sondern fügen sich in den Gesamtklang gut ein.
Im Booklet gibt es dann auch noch eine mittelmäßig geschriebene Bandhistorie auf Englisch, die aber so kleingedruckt ist, dass das Lesen nur eingeschränkt Spaß macht.
Viel wichtiger ist: Man bekommt hier für kleines Geld einundzwanzig Lieder aus der irischen Seele in den CD-Player geliefert.
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