Manu Chao La Radiolina
Ein musikalisches Feuerwerk für Ohren und Verstand
Eine Rezension von Sebastian
Geschrieben am 15.10.2007
Rating:
Sechs Jahre nach dem letzen (offiziellen) Album von Manu Chao "Próxima Estación: Esperanza" ist im September das neue Album "La Radiolina" erschienen. Das lange Warten hat sich gelohnt: die CD aus den verschiedensten Musikstilen, Sprachen und Effekten brennt ab wie ein Feuerwerk.Manu Chao ist seit seinem Album "Clandestino" dafür berühmt, eine einzigartige Mischung aus Blues, Reggae, Latino, Metizo etc. herzustellen, ohne dabei den Blick für einen markanten Sound und eingängigen Rythmus zu verlieren. Das neue Album setzt diese musikalische Ausrichtung konsequent fort, mit einer nicht unerheblichen Fortentwicklung: es ist gitarrenlastiger und rockiger als alles andere, was die Band je zuvor gespielt hat.
Handwerklich wird das Ritual fortgesetzt, einige Textpassagen, Effekte und Musikabschnitte des Vorgängeralbums wieder aufzunehmen. Zudem ziehen sich akustische Hauptthemen durch das Album wie ein roter Faden. Die Lieder sind mehrsprachig gesungen, z.T. Französisch, Englisch, Arabisch und Spanisch innerhalb eines Tracks (leider kein Russisch, wie in "Esperanza").
Die 21 Tracks sind sehr abwechslungsreich, eingängige Latino-Balladen wechseln sich mit den rockigeren Stücken ab. Ein besonderes Highlight ist das Lied "La vida Tombola", eine Hommage und Liebeserklärung an die Hand Gottes, Diego Armando Maradona. Andere Stücke beschäftigen sich mit dem politischen Weltgeschehen, die - wenn auch manchmal plakativ - ein Minimum an Menschenverstand und Verantwortung einfordern. Auch wenn bei einigen Tracks dem ein oder anderem das Gefühl von Urlaub und Relaxen aufkommt: es ist nur die hübsche Verpackung für eine große Menge Kritik.
"La Radiolina" eignet sich wie auch schon "Próxima Estación: Esperanza" auch für diejenigen, die bislang kaum Zugang zu Latino/Metizo gefunden haben. Wem Blues zu melancholisch, Jazz zu behäbig und Latino im Allgemeinen zu suspekt war, könnte hier trotzdem großen Spass an der Musik finden.
Aktuell ist als Single der Title "Raining in Paradise" ausgekoppelt. Wer mal reinhören möchte, oder auf den Geschmack gekommen ist kann auf der offiziellen Seite in 11 Tracks der CD reinhören (weiter unten auf der Seite befindet sich der "musica player"). "Raining in Paradise" ist sogar vollständig abrufbar.
2 Kommentare
Seit Tagen habe ich nun diesen Tab auf, um einen sinnvollen Kommentar zum neuen Manu Chao - Album abgeben zu können - Seit Tagen will mir einfach nichts einfallen, obwohl ich das Album quasi rauf-und-runter höre!
Jetzt ist mir die Erkenntnis gekommen: Mein Problem IST die Lösung! Das neue Manu Chao Album kann man einfach nicht simpel und schnell abhandeln! Es wächst und entfaltet sich mit jedem Hören etwas weiter.
Zu Beginn habe ich eigentlich die Bob Marley-artige Melancholie in "La Radiolina" nicht gemocht und beinahe die fröhliche Poppigkeit vergangener Alben vermisst. Die E-Gitarre nimmt nie so ohrwurmige Züge an wie bei einschlägigen Rock-Songs und wirkte daher zu Beginn auf mich eher befremdlich.
Doch mit jedem Hören wuchs mir das Album mehr und mehr ans Herz. Heute habe ich mich beim Tanzen dazu erwischt!
Manu Chao goes Country-/Road-Music! Ganz oft entdecke ich nun typische Features der 70er-Road Movies: Gepickte Gitarre und gerade Rhythmik. Jetzt weiß ich auch warum ich seit Tagen wieder Filme wie "Bandit" gucken will - Das macht die Road-Music von Manu Chao!
Heftig politisch ist Manu Chao auch geworden. Leichtherzige Songs vergangener Alben findet man hier seltener. Das gefällt jedoch! Man muss sich halt nur drauf einlassen. Generell finde ich, dass das neue Album viel mehr echtes Leben zeigt als ältere Werke, die zwar mehr Unbeschwertheit, aber auch mehr Oberflächlichkeit beinhalten!
Danke für diesen super Tipp jedenfalls! Das neue Manu Chao Album ist auf jeden Fall alle Zeit wert, die ich ihm bis jetzt gewidmet habe! War nur etwas schwer, sich drauf einzulassen zu Beginn - Das ist aber eine verhältnissmäßig kleine Hürde für das was man fürs Überwinden dieser Hürde bekommt!
Es ging mir bei einigen Dingen ähnlich. Die Gitarre fand ich v.a. bei den Ersten paar mal hören sehr befremdlich. Ich glaube aber, dass das an den schon bekannten, also "gewohnten" Manu Chao-Stücken liegt. Das geile ist, dass bei jedem weiteren Hören auffällt, dass die gleichen "Riffs" (wenn man das bei der Musik so nennen darf) in einem anderen Kontext anders klingen und wirken. Bei "Raining in Paradise" ist z.B. die durchdringende Gitarre ein treibendes Element in Richtung negativ. Bei "Il Kitapena" ist das ganze wieder als positives Element genutzt.
Im Moment ist bei mir insbesondere zwei Tracks angesagt. Man kann fast nicht fröhlicher klingen als bei "Besoin de la lune" ohne aufgesetzt zu wirken, und man kann kaum so perfekt negativ sein wie in "Me Llaman calle", ohne schleimig zu werden.
Aber genau diese Mischung macht das Album aus. Es ist von der Stimmung her (wie du richtig geschrieben hast) melancholischer als die vorherigen, aber es ist trotzdem abwechselnd Melancholie/Heiterkeit, und das sogar innerhalb eines Songs.





