Dream Theater - Metropolis Part 2
Die Reinkarnation des Progressive Rock
Eine Rezension von Jan
Geschrieben am 18.07.2007
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The Who, The Beatles, Yes, Pink Floyd; alles Meilensteine auf dem Weg zum absoluten Höhepunkt der Progressiven Rockmusik, der 1999 in einem Album von einer Band endlich erreicht wurde. Das Album: "Metropolis Pt. II: Scenes From A Memory", die Band: Dream Theater.Man müsste nun wirklich Verständnis aufbringen für die Leute, die Dream Theater in den letzten 4-5 Jahren kennengelernt haben, in denen sie eine "Musik" fabriziert haben, die sich so aufdringlich an New Metal-Standards und Mainstream-Bedürfnisse anbiedert, dass es eine wahre Schande ist. Die werden sagen: Dream Theater genial, an der Spitze des Progressive Rock? Unmöglich!
Aber genau diesen Leuten sage ich: In der Tat möglich! Nach einem mehr oder weniger diskutablen Langzeitexperiment mit dem damaligen Keyboarder Derek Sherinian holte man sich schlussendlich mit Jordan Rudess einen durchgeknallten Hochbegabten und genialen Juliard-Absolventen ins Boot, der die Weichen auf dem Weg zum besten Progressive Rock-Album aller Zeiten stellen sollte. Was dann 1999 aus den Beartrack Studios in Upstate New York kam, war damals und ist bis heute das beste, was Dream Theater jemals herausgebracht haben.
Die Story: Ein junger Mann, Nicholas wird von Albträumen und seltsamen Visionen geplagt, in denen er eine Frau aus der Vergangenheit zu sehen scheint, die ermordet wird. Er beschließt, einen Psychiater aufzusuchen, um sich hypnotisieren zu lassen. Im Zustand völliger Entspannung dringt er tiefer und tiefer in die Mystereien der Vergangenheit ein. Er findet heraus, dass diese Frau - Victoria - im Jahr 1928 lebte und zwischen zwei Männern - den Brüdern Julian und Edward - hin- und hergerissen war. Sowohl im Traum als auch in der Realität recherchiert er ihren mysteriösen Tod und den ihres Freundes Julian, um am Schluss herauszufinden, dass der eifersüchtige Dritte im Bunde, Edward ihn eingefädelt hat. Schließlich entdeckt Nicholas, dass die Verbindung zwischen ihm und Victoria eine spirituelle ist - er ist SIE im nächsten Leben, als wiedergeborener Mensch. Obschon der brutale Tod seiner "Seelenverwandten" eine tragische Geschichte ist, gibt ihm die Tatsache, dass das Leben nach dem Tod nicht endet, große Zuversicht. Doch diese neu gewonnene spirituelle Weisheit bleibt seine letzte Erkenntnis, denn auch der Mörder Edward wurde wiedergeboren: Als sein Psychiater, dem er seine Träume und Visionen mitgeteilt hat!
Um seine Bluttat für immer zu verschleiern, tötet der Psychiater (der wiedergeborene Edward) Nicholas (die wiedergeborene Victoria) - damit endet das Album.
Die Musik: Abgesehen von der augenscheinlich komplizierten Geschichte ist auch die Musik nicht von schlechten Eltern; technisch durchkomponiert und auf allerhöchstem Niveau. Perfektes Beispiel: die Instrumentalparts in "Beyond This Life" und der gesamt Instrumentaltrack "Dances of Eternity". Aber das wahre Kunststück dieser Platte sind nicht 13/16-Takte oder rasend schnelle, unisono gespielte 32-tel Figuren, sondern die Art und Weise, wie sie der Musik, dem Gesamtkonzept dienen. Bei aller exzessiver Fummelei scheint doch kein instrumentaler Ausflug unverhältnismäßig lang, für Abwechslung wird gesorgt.
Ein weiters saftiges Plus besorgt die musikalische Vielfalt. Knallharte Metal-Riffs wechseln sich ab mit bluesigen Einlagen, Frank Zappa wird genauso gedacht wie Queen, Tool oder Yes. Besondere Schmankerl sind die Saloon-Klaviereinlage des Keyboards und die Verwendung eines Gospelchors. Generell haben sich die Jungs bei diesem Album vokal-mäßig einiges mehr getraut als vorher; die mehrstimmigen Hintergrundchöre hätten Lennon/McCartney selbst schöner nicht arrangieren können.
Auch die ruhigeren Stücke haben eine ganz neue Qualität; im Gegensatz zu vorher sehr speziellen, komplizierten Nummern könnten Stücke wie "Through Her Eyes" oder "The Spirit Carries On" zu Klassikern am Lagerfeuer werden.
Das ist für mich sowieso eine der größten Stärken des Albums; die perfekte Mischung aus individueller Klasse und gleichzeitiger Massenkompatibilität, vor allem was die Story betrifft. Auf der Tour zum Album 1999/2000 kam es immer wieder vor, das Fans Banner mitgebracht hatten, auf denen Sachen standen wie:"Victoria, we miss You". Auf die Musik trifft dies selbstverständlich genauso zu. Zum Beispiel lobten viele Leute aus meinem Bekanntenkreis, die solche Musik normalerweise überhaupt nicht hören würden, dieses Album über alle Maßen, weil es - abgesehen von allem technischen Schnickschnack - Elemente enthält, die Menschen aller Geschmacksrichtungen ansprechen: Eine gute Story und wirklich gute Musik.
P.S.: An alle DT-Fans: Auf die Parallelen zum Album "Images And Words" und insbesondere zum Song "Metropolis Pt. One" wurde hier mit Absicht nicht verwiesen, da das Ganze 1. den Rahmen sprengen würde und 2. an diese Materie schwerer heranzugehen ist als an dieses Album. Alle Kenner werden schmunzeln wenn ich sage:" Victoria watches and thoughtfully smiles..."
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