Rodrigo y Gabriela - Rodrigo y Gabriela

Diablo Rojo - Bitte einsteigen!

Eine Rezension von Peter

Geschrieben am 16.08.2007

Rating:

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BildIn Mexiko spielten sie Thrash Metal, gingen nach Irland und spielten mit zwei Akustikgitarren ein Album ein, das als erstes Instrumentalalbum überhaupt Platz eins der irischen Charts belegte.
So die kurzmöglichste Zusammenfassung der musikalischen Entwicklung des Duos Rodrigo y Gabriela (Aus einer Genderperspektive könnte man fragen, warum es nicht Gabriela y Rodrigo heißt?), ein Ausbruch aus Schubladen und musikalischen Klischees, dabei hochqualitativ in Bezug auf Technik und Komposition.

Meine erste Begegnung mit ihrer Musik hatte ich, als ich auf YouTube nach Livevideos der finnischen Band "Diablo" suchte und auf  "Diablo Rojo" stieß, dem zweiten Stück des selbstbetitelten Albums von Rodrigo y Gabriela, eben jenem Nummer-Eins-Album von 2006.

Wie es Gabriela zu Anfang dieses Videos ankündigt, ist das Stück ein Tribut an eine Achtberbahn und in der Tat: Es ist schnell, sehr rythmisch, gespickt mit diversen Tempiwechseln und mit einer Art Heaviness in Bezug auf die Spielweise und dem daraus resultierenden Ton. Hinzu kommt das sehr perkussive Spiel, das bei anderen Stücken des Album teilweise das Gefühl aufkommen lässt, als würde noch ein Schlagzeug mitspielen. Aber da ist keins!

Auf diese Art sind die Stücke von einer inneren Spannung durchzogen, die bis zum letzten Ton reicht und den Hörer mit sich zieht. Wie ich zu einer Freundin sagte, als ich ihr von Rodrigo y Gabriela erzählte: Wenn ich ein Cabrio hätte, würde ich diese Musik spielen, während ich auf einer schnurgeraden Straße durch Kornfelder fahren würde oder wenn ich tanzen würde, dann auf diese Musik.

Insgesamt umfasst das Album neun Titel, von denen sieben komplett selbst komponiert sind. Die anderen zwei Stücke sind selbstarrangierte Coverversionen von "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin und "Orion" von Metallica. Erstere hält sich nicht sklavisch, wie es leider oft bei Coverversionen der Fall ist, an das Orignal, sondern greift die wichtigen Motive auf um sie zu variieren und zu komprimieren, wodurch das Stück etwas halb so lang wie die Vorlage ist, dadurch aber Selbstständigkeit erreicht, welche bei einem so oft gecoverten Stück wie "Stairway to Heaven" auch sehr angebracht ist, und den oben bereits erwähnten Spannungsbogen aufrecht erhält. "Orion" orientiert sich wesentlich stärker an der Vorlage und ist damit ein gutes Beispiel für die "acoustic Heaviness" des Duos. Letzendlich gefällt mir diese Version besser als das Original, Punkt.

In diesem Kontext sei auch noch das dritte Stück des Albums "Live Manchster and Dublin" von 2004 erwähnt, in dem sie auf sehr geschickte und humorvolle Weise "One" von Metallica und das bekannte Jazzstück "Take 5" des Dave-Brubeck-Quartetts miteinader verschmelzen. Klingt lustig? Ist es auch!

Vielleicht sind die anderen Stücke jetzt etwas zu kurz gekommen, aber ich möchte sie nicht mit abgelesenen Wörter zerschreiben, deswegen zum Abschluss noch drei Anspieltipps (die natürlich eigentlich alle neun Stücke umfassen sollten): Der Opener "Tamacun", perfekt für meine Cabriofahrt; "Ixtapa" mit seinem atmosphärischen Mittelpart, der in ein sehr passendes Geigensolo übergeht und das mit jazzigen Läufen versehene "PPA".

Nett ist auch noch dieses kurze Interview mit einem Radiosender aus Los Angeles, bei dem sie "Diablo Rojo" live spielen.

2 Kommentare

Von Verena am 16.08.2007, 12:09

Seit ich vor 10 Jahren auf Apocalyptica gestoßen bin, überrascht mich ja kaum noch etwas, aber... wow! Das ist klasse, was die beiden machen! Danke für den tollen Tipp! :)

Von Corinna am 18.08.2007, 12:06

Wow, sind die krass! Viel mehr als die Percussion-Einlage beeindruckt mich, dass es stellenweise so klingt als würde ein Piano mitspielen (bei dem verlinkten "Diablo Rojo"). Werd mir das Album mal anhören, vielleicht bekehren mich Rodrigo y Gabriela noch, ich steh nämlich eigentlich nicht auf Instrumentalmusik.
PS: ("Gabriela y Rodrigo" klingt nicht so gut wie umgekehrt :)

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